Schloss Bensberg im Spiegel der Historie

Oberhalb von Bensberg erhebt sich alles überragend und riesenhaft leuchtend das barocke Jagd- und Lustschloss des ehemaligen Kurfürsten Johann Wilhelm II von der Pfalz-Neuburg (1679-1716) - in der Region besser als „Jan Wellem“ bekannt. Er ließ die größte Schlossanlage des Rheinlandes hier, wo er „während großer Jagden und bei schönem Wetter unter starken Eichen im Freien offene Tafel gehalten“, in den Jahren 17o5 bis 1711 vom bestrenommierten Baumeister Matteo Graf d'Alberti nach Vorbild von Versailles errichten. Malheureusement jedoch wurden die anschließenden Arbeiten an der Innenausstattung bereits 1716 vorzeitig abgebrochen, als der patente Herrscher der heimtückischen Syphilis zum Opfer fiel. Aus verständlichem Grunde konnte das Gebäude seiner eigentlichen Vorsehung nun nicht mehr dienlich werden, vielmehr wurde es im Laufe der Jahrhunderte für verschiedenste andere Aufgaben leicht zweckentfremdet.

Von lokalpatriotischer Seite wird immer wieder gerne erwähnt, dass schon Johann Wolfgang von Goethe die Schönheit Bensbergs pries, als er es am 17. Juli 1774 besuchte. Der damals fünfundzwanzigjährige Meister hielt die Begeisterung für unseren Ort in „Dichtung und Wahrheit“, 3. Teil, 14. Buch, folgendermaßen fest:

„Schloss und Dorf Bensberg liegen auf einem hohen Berge, von dem man viele Meilen voll Wälder, Äcker und Heiden, in der Ferne eine Strecke des Rheins und die berühmten sieben Berge sieht. Wir speisten in einer schönen Laube, dicht an einem Gärtchen voll Blumen, hinter dem Gärtchen öffnete sich ein Teil der großen Aussicht. So denke ich mir die Götter dann und wann auf einer silbernen Wolke nektarschlürfend sitzen und die Hälfte der Erde übersehen!“

Wie recht er hat! Das von den italienischen Künstlern Antonio Pellegrini und Zanetti sowie dem Niederländer Jan Weenix stilgerecht ausgemalte und ausgestattete Interieur des Schlosses gewann selbstverständlich gleichermaßen die geschätzte Huld des begabten Dichters:

„Was mich daselbst über die Maßen entzückte, waren die Wandverzierungen durch Weenix… Man begriff nicht, wie sie durch Menschenhände entstanden seien und durch was für Werkzeuge… Man näherte, man entfernte sich mit gleichem Erstaunen. Die Ursache war so bewundernswert als die Wirkung.“



Der 1,60 m große Kurfürst erbte allerhöchste gesellschaftliche Reputation - Kompetenz war sein Parfum, sogar
Schützenkönig wurde er in Düsseldorf. Selbstlos opferte er zudem seine denkbar knapp bemessene Freizeit
zur Förderung der Hochkultur, der Vergnügungskunst, der Architektur und des Weidwerks - beinahe so,
wie sein großes Vorbild aus Frankreich. Keine Sparsamkeit an unpassender Stelle - Staat und Kirche
vereint im treuen Dienste des respektvoll ergebenen Steuerzahlers. Endloser Ruhm ward gesichert -
und was wäre Bensberg heute ohne die ansehnliche Hinterlassenschaft seines tüchtigen Gönners?

Entgegen der ursprünglich angestrebten Herrlichkeit wurde das stattliche Anwesen von 1793 bis 1832 als Hauptarmeespital der Truppen des österreichischen Kaisers genutzt, 3.ooo Menschen starben darin an Typhus und Lazarettfieber. Es folgten 4.ooo französische Soldaten, denen es aus medizinischer Sicht leider ganz ähnlich erging.

Von 1834 bis 1918 avancierte der prangende Bau zum preußischen Kadettenhaus. Der wertvollen Stuckornamentik jedoch blieb bei den vorausgegangenen Umbauarbeiten die angemessene kunsthistorische Wertschätzung verwehrt, was zu groben Blessuren an der Innenausstattung führte.

Die allgemeinen Umstände nach 1918 ließen die hehre Halle zur einfachen Kaserne und später gar zur Obdachlosenunterkunft werden.

Vom 1. Juni 1935 bis 2. November 1944 wurde die Anlage dann von den Nazis als nationalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA oder NAPOLA), einer parteipolitisch - weltanschaulichen Führerschule, genutzt. Am 2. März 1942 geriet der Nordflügel des Schlosses in Brand. Schuld waren Schüler, die auf dem Speicher gezündelt hatten. Einer der Türme wurde durch das Feuer zerstört, jedoch bereits 25 Jahre später wieder originalgetreu rekonstruiert.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Profanbau belgischer Militärstandort, dann Internat und Berufsschule. Königin Doña Fabiola de Mora y Aragón von Spanien besuchte das damalige „Königlich Belgische Athenäum“ im Oktober 1969.

Nachdem es die Belgier verlassen hatten, wurde das Bensberger Wahrzeichen dem Land Nordrhein-Westfalen übertragen und musste in den 90er Jahren erneut als Notunterkunft für Kriegsflüchtlinge dienen; öffentlich zugänglich war es nur zu seltenen Anlässen.



Kürzlich wurde das 3oo Jahre alte Gemäuer an die Aachener und Münchener „Lebensversicherung“ AG veräußert, und von dieser für ca. 75 Mio. Euro durchaus angemessen instandgesetzt. Ein 5-Sterne Luxushotel wurde im August 2ooo eröffnet und zählt jetzt bereits zu den weltweit führenden Hotels. Die feinen Gäste des Schlosshotels mit seinen 97 Deluxe-Zimmern, 25 Suiten, 11 Konferenz- und Tagungsräumen, einem klassischen Ballsaal, mehreren Bankettsälen, einem Wellnessbereich mit Saunalandschaft und Pool samt Beautyfarm, sowie einem Gourmet-Restaurant, einer Bar, Vinothek und Sommerterrasse erfreuen sich an barockem Ambiente: Marmor italienischer und iberischer Herkunft, 42 Kristall-Lüster, 1o.ooo Meter neu verlegten Stucks und 6o3 verschiedene Dekorationsstoffe sorgen für gleissende Pracht. Von den großen Suiten aus eröffnet sich der einmalige Panoramablick über die Rheinebene. Wer von diesem Wohnstil in geschützter Umgebung nicht genug bekommen (und auf DSL verzichten) kann, sollte nicht zögern, eine der Wohnungen im Schlosspark zu beziehen - die meisten sind noch frei: schlossbensberg.de. Auf den Seiten des Grandhotels können Suiten und Zimmer gebucht werden.

Johann Bendel schrieb 1911 in seinem Buch „Der Landkreis Mülheim am Rhein“:

„Bensberg mit seinem ragenden Schlosse auf des Berges Spitze prangt so hoch und hehr über dem Königsforste, dass es zum Wahrzeichen des ganzen Kreises Mülheim wird. Ein Blick bei Sonnenuntergang auf die gekrönte Feste von Westen aus bleibt wie gebannt an dem prächtigen Schauspiele hängen, denn in den Fensterreihen spiegelt die schlafengehende Sonne sich, und der Schlossberg erscheint wie ein Silberschloss aus dem Märchenlande.“


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